Miteinander gepflegt leben

Für 500 Bewohner und für mehr als 400 Mitarbeiter aus drei Heimen täglich die Wäsche sauber aufzubereiten – wie soll das funktionieren? Die Senioren- und Pflegezentren Rupprechtstegen, Artelshofen und St. Elisabeth wissen jetzt, wie es geht.

Die Gaststätte »Zum Hirschen« zwischen dem Schloss Artelshofen und dem Fluss Pegnitz – sie war einmal der Treffpunkt für die Menschen im kleinen Pfarrdorf (Bundesland Bayern). Heimleiterin Brigitte Schorr erinnert sich gern an die Zeit: »Hier habe ich meinen Hochzeitswalzer getanzt.« Das war vor 33 Jahren. Heute ist vieles anders: Das Gasthaus wurde in einer zweijährigen Bauphase vollständig entkernt und zu einer modernen Wäscherei auf zwei Etagen verwandelt. Dabei ist der Charme des alten Gebäudes erhalten geblieben. Heute wird hier nicht mehr gefeiert und getanzt, sondern gewaschen, getrocknet, gebügelt und gefinisht, weil die alwo Unternehmensgruppe aus Bad Harzburg (Niedersachsen) seit April 2018 das Gebäude als zentrale Inhouse-Wäscherei für ihre drei Senioren- und Pflegezentren in Mittelfranken nutzt. 

Ein Standort mit vielen Vorteilen

»Die Zentralisierung der Wäscherei ergibt  aus logistischer und betriebswirtschaftlicher Sicht einfach Sinn für unsere drei Einrichtungen«, erzählt Enrico De Rosa, Regionalleiter der alwo Unternehmensgruppe, und ergänzt: »Aus Kapazitätsgründen haben wir uns für die Zentralisierung und das Outsourcing in ein externes Gebäude entschlossen. Der Platz in Rupprechtstegen und die Kapazität der Maschinen haben einfach nicht mehr gereicht. Nun haben wir genügend Platz, um die großen Wäschemengen der drei Pflegeeinrichtungen zu bewältigen.« Zehn Jahre lang wurden jährlich mehr als 150 Tonnen Bewohner- und Flachwäsche für die zwei Häuser in Rupprechtstegen und Artelshofen in einer kleinen Inhouse-Wäscherei aufbereitet, die eine Besonderheit hatte: Sie befand sich im fünften Stockwerk, weil das Heim in Rupprechtstegen, das auf Felsen gebaut ist, keine Kellerräume hat (siehe: PROconcept 01/2011). Als 2011 noch das Senioren- und Pflegezentrum St. Elisabeth in Nürnberg mit seinen 300 Bewohnern dazukam, war klar, dass die zusätzliche Wäschemenge nicht in Rupprechtstegen bewältigt werden kann. »Das hätte unsere Kapazitäten gesprengt«, sagt Schorr. Man beauftragte einen externen Dienstleister. »Doch dann tauchten Probleme auf«, berichtet die Heimleiterin. »Bewohner oder ihre Angehörigen beschwerten sich, dass Wäschestücke entweder beschädigt oder verschwunden waren.« Die Nürnberger Flachwäsche wurde schließlich in Rupprechtstegen aufbereitet und für die Bewohnerwäsche sogar eine kleine Wäscherei im Keller von St. Elisabeth installiert. »Auf Dauer war das eine unbefriedigende Situation«, erinnert sich Schorr. So entschloss sich der Geschäftsführer und Inhaber der alwo Unternehmensgruppe, Marco Rugieri, die Wäscherei in einem Bestandsobjekt zu realisieren. Das von ihm begonnene Projekt wurde von der jetzigen Geschäftsführerin Gina Fancello zu Ende geführt. 

Eine Wäscherei auf zwei Geschossen

Um das Fachwerkhaus in eine moderne Wäscherei zu verwandeln, arbeiteten die Verantwortlichen der alwo Unternehmensgruppe eng mit den Baubehörden, dem Gesundheitsamt und mit Miele zusammen. Das Ergebnis: Viele Glaselemente und verglaste Brandschutztüren haben eine natürliche Beleuchtung der Räume und Arbeitsplätze geschaffen, die den heutigen Anforderungen entspricht. Auch Stefan Bohde, Projektplaner bei Miele, machte sich seine Gedanken über einen idealen Wäschekreislauf. Dafür standen ihm insgesamt 440 Quadratmeter auf zwei Geschossen zur Verfügung (seine Lösung: siehe dazu die Grafik auf Seite 12), auf denen die sechs Waschmaschinen, sechs Trockner und eine Mangel von Miele sowie vier Bügelstationen und ein Universalfinisher von Veit aufgestellt und installiert wurden. Im April 2018 nahm die neue Inhouse-Wäscherei dann ihren Betrieb auf.

Aktuell waschen, trocknen, mangeln, bügeln und sortieren 13 Frauen und Männer in zwei Schichten die komplette Flachwäsche der drei Heime, die persönliche Wäsche der mehr als 500 Bewohner sowie die Berufskleidung der Pflegekräfte in Rupprechtstegen und Artelshofen. Auch Reinigungstextilien wie Mopps oder Wischtücher werden bearbeitet. Im Jahr sind das mehr als 400 Tonnen Wäsche. Morgens um sechs Uhr beginnt die Arbeit. »Damit wir schon bei Schichtbeginn die Wäsche verarbeiten können, beladen und programmieren wir am Vorabend die Maschinen«, erzählt Schichtleiterin Martina Meyer. Dreimal täglich wird die Schmutzwäsche angeliefert und gegen frische Wäsche ausgetauscht. Dafür sind zwei Kleintransporter im Einsatz, die zwischen den drei Heimen und der Wäscherei hin- und herpendeln.  

Gleichbleibend hohe Wäschequalität

Die neue Wäscherei in Artelshofen ist bereits die dritte Wäscherei, die die alwo Unternehmensgruppe mit Miele realisiert hat. Zu den Vorteilen der Wäscherei zählen die Nachhaltigkeit von reduzierten Strom- und Wasserverbräuchen und die gleichbleibend hohe Wäschequalität. »Es gibt keine Beschwerden mehr über verlorene oder beschädigte Textilien. Unsere Bewohner müssen sich um ihre Wäsche keine Sorgen mehr machen«, erzählt Schorr. Dafür sorgen die qualifizierten Mitarbeiter, die professionellen Strukturen sowie die moderne und nachhaltige Ausstattung der Wäscherei. Diese Philosophie entspricht auch dem Unternehmensleitbild »Gemeinsam Geborgenheit leben«. Das sah auch die Bayerische Staatsregierung so. Sie ernannte das Senioren- und Pflegezentrum Rupprechtstegen 2018 zu einem der 20 familienfreundlichsten Betriebe des Bundeslandes.

»Es gibt keine Beschwerden mehr über verlorene oder beschädigte Textilien.«

Eine Inhouse-Wäscherei für drei Heime hat viele Vorteile. Welche das sind, berichten im Interview Regionalleiter Enrico De Rosa, Hauswirtschaftsleiterin Monika Meth sowie die Heimleiterin für Rupprechtstegen und Artelshofen Brigitte Schorr und ihr Stellvertreter Georg Weigl.

Was waren die Gründe, ab 2016 eine hauseigene Zentralwäscherei zu planen? 

Enrico De Rosa: Die Situation war für alle Häuser zu diesem Zeitpunkt unbefriedigend. In Rupprechtstegen wurde die komplette Wäsche nicht nur für zwei Häuser, sondern auch die Flachwäsche aus Nürnberg aufbereitet. Das sprengte die Gesamtkapazität der kleinen Wäscherei. Auch die Wäscherei in Nürnberg schaffte das nicht. Deswegen ergab eine Zentralisierung aus logistischen und betriebswirtschaftlichen Gründen Sinn.  

Warum hat man sich gegen einen externen Dienstleister entschieden? 

Brigitte Schorr: Für das Senioren- und Pflegezentrum St. Elisabeth war ja zunächst ein externer Dienstleister tätig. Aber es gab immer wieder Beschwerden wegen beschädigter oder verschwundener Textilien. Darunter waren auch Lieblingsstücke, die Teil der Lebensgeschichte unserer Bewohner und unersetzbar waren. Deswegen haben wir uns gegen einen externen Dienstleister und für eine hauseigene Lösung entschieden, bei der uns Miele von Anfang an gut beraten hat. Das war eine richtige Entscheidung: Es gibt keine Beschwerden mehr! 

Wie wird das vermieden? 

Monika Meth: Jedes Textil ist mit dem Namen seines Besitzers gepatcht. Die Schmutzwäsche wird in einem persönlichen Bewohnersack eingesammelt, auf Rollensortierwagen einsortiert und zur Wäscherei transportiert. Nach dem Waschen wird die frische Wäsche zunächst in jedem Haus zwischengelagert und anschließend von den Pflegekräften auf die Zimmer verteilt. Bei der Bettwäsche haben wir für Rupprechtstegen und Artelshofen eine Pool-Lösung, zu erkennen an der Farbe Grau. Die Nürnberger Bettwäsche hat die Farbe Rot.   

Wie oft wird die Schmutzwäsche angeliefert? 

Georg Weigl: Täglich! Dafür sind von 9 bis 18 Uhr zwei Kleinlaster unterwegs, die zwischen den drei Häusern hin- und herpendeln. Eine Herausforderung ist immer der Verkehr zwischen Nürnberg und Artelshofen. Aber bisher hat alles gut funktioniert.